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6 - Lieber ein Ende ohne Schrecken …

als ein Schrecken ohne Ende

„Die Versöhnung der Stadtgesellschaft“ hat der Stuttgarter OB Kuhn als Ziel der von ihm initiierten informellen Bürgerbeteiligung Rosenstein genannt. Die Bürgerschaft soll zusammenfinden in der Entwicklung des zweiteiligen „Rosensteinquartiers“, dessen eine Hälfte von der S21-Baulogistik selbst blockiert wird, und dessen andere, auch ohne S21 verfügbare Hälfte aus vielerlei Gründen fraglich und kritisch ist (s. Kap. 4). Ein Versöhnungsversuch, der Stuttgart 21 zur bedingungslosen Prämisse macht, wird keine Chance haben. Das zeigt der bisherige Verlauf des Prozesses bereits. Zu groß sind Schwächen und Widersprüche des Projekts, zu belastend die Eingriffe in die Stadt, die viel tiefer gehen und länger andauern als versprochen und immer bedrückender die Erkenntnis bei vielen, am Ende einen weniger effizienten Bahnhof mit vielen Sicherheitsmängeln zu bekommen.

Mit dem hier vorgestellten Ansatz eines Umstiegs, der das Gegebene und Geschehene zum Ausgangspunkt nimmt und in eine andere Richtung weiterentwickelt, hat der Gedanke einer Versöhnung der Stadtgesellschaft eine realistische Chance. Zwar hat es am Ende bei allen nicht vollendeten oder in Betrieb genommenen Großprojekten, auf die eingangs Bezug genommen wird, auch mehr oder weniger sinnvolle Umnutzungen gegeben. Die Chancen solcher Umnutzungen sind aber, das zeigt diese Broschüre, im Falle von Stuttgart 21 besonders groß, weil im Zuge eines Umstiegs viele seit langem bestehende Defizite der Stadtentwicklung wirksam angegangen werden können, wie z.B. die aktuelle Wohnungsnot, der Mangel an öffentlichem (Versammlungs-) Raum, Engpässe im Nahverkehr, stadtklimatologische Belastungen und Feinstaubprobleme.

Wie geht es weiter?

Auch wenn in dieser Broschüre bei den vier zentralen, Stuttgart 21 betreffenden Themenfeldern realisierbare Lösungen vorgestellt werden, ist damit weder der Anspruch eines vollständigen Gegenentwurfs noch die Erwartung verbunden, dass alles Vorgeschlagene 1:1 umgesetzt werden müsste. Sinn ist, Auswege aus einem fatalistischen „Weiter so“ überhaupt denk- und diskutierbar zu machen.

Wie sich die Stadt in diesen zentralen Flächen und Relationen weiter entwickeln soll, ist auch nicht allein von der S21- kritischen Bürgerbewegung zu beantworten, sondern muss Thema eines integrativen Beteiligungsprozesses sein, in Verbindung mit Ausschreibungen und Wettbewerben.

Was immer ein solcher Prozess erbringt, das Ergebnis ist wesentlich kostengünstiger, schneller und mit viel weniger Baustellen zu haben und würde viele städtebauliche und verkehrliche Probleme lösen helfen.

Mittlerer Schlossgarten© Klaus Gebhard
Welch' ein Verlust an innerstädtischer Lebensqualität: Der Mittlere Schlossgarten im letzten Frühjahr vor seiner Abholzung. Die seither auf diesem Areal ausgehobenen Baugruben lassen sich nach Abbruch des Teilprojekts Stuttgart 21 binnen weniger Wochen wiederverfüllen, die beliebte zentrale Liegewiese und das Wegenetz schnell wiederherstellen. Nur die einstige Pracht majestätischer Parkbäume wird länger auf sich warten lassen. Doch auch hier gilt: Mit Umstieg 21 wird der beliebte Park mindestens 10 Jahre früher wiederhergestellt sein. Ganz zu schweigen davon, dass auf dem hier quer liegen sollenden S21-Bahnhofs-Betondach aus Statikgründen nur eine magere Erdauflage ausgebracht werden kann, in der größere Parkbäume niemals mehr wurzeln könnten. Nicht der geringste der vielen aufgezeigten guten Gründe für einen raschen Umstieg!

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