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5.1 - Von der Neubaustrecke zum Kopfbahnhof

– fast ohne Kosten und gleich schnell

Von einem Scheitern der Neubaustrecke Wendlingen Ulm ist nach Lage der Dinge nicht auszugehen. Dies sagt nichts über die Sinnhaftigkeit der Trassierung dieser Strecke, die angesichts ihrer extremen Steigung eine miserable Energiebilanz aufweist und nicht güterverkehrstauglich ist – ein unverzeihliches Defizit angesichts der klimapolitisch dringenden Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene.

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© Klaus Gebhard
Vergleich Neue Albquerung - Gotthardbahn.
HINWEIS: Nachträglich soll nun doch ein Haltepunkt bei Merklingen oben auf der Alb-Hochfläche gebaut werden. Doch aufgrund der geringen Einwohnerzahl - inklusive aller Umliegergemeinden nur 23.290, von denen wiederum wie überall nur ein Bruchteil die Bahn benutzt - werden dort lediglich einige wenige Regionalzüge halten. Für das Gros der Züge, darunter alle ICEs und ECs/ICs, würde weiterhin die Kern-Aussage der Graphik gelten.

Realistischerweise muss aber ein Schienenverkehrsszenario entwickelt werden, das den Fall der Fertigstellung dieser umstrittenen Trasse annimmt.

Unbestreitbar allerdings ist, dass durch sie die Personen-Reisezeit von Ulm nach Wendlingen um ca. 25 Minuten kürzer ist als bisher. Wohlgemerkt von Ulm nach Wendlingen – nicht nach Stuttgart! Dies verwischt die öffentliche Kommunikation von Stuttgart 21 als Gesamtprojekt, das jedoch aus den zwei höchst unterschiedlichen Teilprojekten Stuttgart 21 (S21) und Neubaustrecke (NBS) besteht. Verwischt wird dabei, dass der Anteil von S21 an der genannten Fahrzeitverkürzung praktisch bei Null liegt. Zumindest, wenn man den politisch stets hervorgekehrten Zwischenhalt am Stuttgarter Flughafen als Referenz nimmt. Eine Befragung erfahrener Lokführer und Eisenbahnspezialisten bestätigte, dass das Teilprojekt Stuttgart 21 nach der Hochgeschwindigkeitsfahrt über die NBS tatsächlich keine weitere Fahrzeitersparnis mehr erbringen würde.

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© Klaus Gebhard

Anbindung der Neubaustrecke via Neckartal an den Kopfbahnhof bei gleicher Fahrzeit

Die heutige schnellstmögliche Fahrzeit durch das Neckartal von Stuttgart nach Wendlingen kann jeder selbst auf der Fahrt mit dem schnellsten Zug von oder nach Tübingen auf seiner Uhr ablesen. Alle zwei Stunden fährt fahrplanmäßig ein IRE von S-Hbf ohne jeden Zwischenhalt durchs Neckartal bis Reutlingen mit bis zu 160 km/h. Den Wendlinger Bahnhof passiert dieser Schnellzug laut Lokführer-Fahrtenbuch nach 16 Minuten. Gleiches gälte auch für den ICE ab Wendlingen durch das Neckartal nach Stuttgart: 16 Minuten.

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© Klaus Gebhard

Anbindung der NBS an die Neckartaltrasse fast ohne Mehrkosten

Die baulichen Mehrkosten für den Anschluss der Neubaustrecke bei Wendlingen lägen im Promillebereich der Gesamtkosten der Neubaustrecke (seit Jahren nicht fortgeschrieben, derzeit noch veranschlagt mit 3,5 Mrd. €). Eine eingleisige Verbindungsspange zwischen NBS und Neckartal-Bestandsstrecke ist ohnehin Bestandteil des NBS-Projekts und in dessen Kostenansatz bereits mit enthalten. Diese nur wenige hundert Meter lange leistungsschwache, da eingleisige Verbindungsspange müsste lediglich um ein zweites Gleis zu einer vollwertigen Einbindung der NBS ergänzt werden.

Nicht ganz so leicht ist die künftige Reisezeit über die S21-Teilstrecke via Stuttgart- Flughafen nach S-Hbf zu ermitteln. Doch aus Lokführer- und Bahnexpertensicht steht Folgendes schon jetzt fest: Die ICEs und IREs werden weder den steilen, 9,5 km langen Fildertunnel noch das Tunnelgeschlinge vom und zum neuen Fughafenbahnhof mit Hochgeschwindigkeit befahren können. Da der Fildertunnel steiler werden würde als die schon berüchtigt steile alte Geislinger Steige, würden sowohl die Berg- als auch die Talfahrt stark temporeduziert erfolgen. Zu berücksichtigen wären im Zeitvergleich auch voraussichtlich längere Ein- und Ausstiegszeiten am geplanten Flughafenfernbahnhof, weil von Reisenden/Fluggastpassagieren mit schwerem Gepäck auszugehen ist.

Diese beiden Tempohemmnisse sowie der Umstand, dass beide Fahrtrouten nahezu identisch lang sind, lassen die befragten Bahnexperten – darunter ein Lokführerausbilder – zu der Abschätzung gelangen, dass auch für die S21-Strecke über den Flughafen bis Wendlingen – wie schon heute auf der Fahrt durchs Neckartal – mit rund 16 Minuten Fahrzeit zu rechnen sein wird!

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© Klaus Gebhard

Wenn sich aber kaum ein Zeitgewinn gegenüber einem einfach und ohne nennenswerte Kosten realisierbaren Anschluss der Neubaustrecke an den Hauptbahnhof via Neckartal ergibt, dann ist auch hier der Umstieg die bessere Lösung – zumal angesichts der neuerlichen Kostenexplosionen und des erheblichen Baurückstands sowie der jüngst sogar vom „Vater“ des Projekts, Prof. Gerhard Heimerl, eingestandenen 1 gravierenden Leistungsschwächen des (Teil)projekts Stuttgart 21.

Mit 160 kmh durchs Neckartal

© Klaus Gebhard
Schon heute mit bis zu 160 km/h durch das Neckartal …


1 Interview Stuttgarter Nachrichten vom 18.4.2016 http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.interview-wir-sollten-uns-jetzt-nichts-verbauen.f9a1e289-aa1f-4288-8a8d-2306b1b667b1.html

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